22 Millionen lebende Dichter
warten auf die Geburt des Lesers warten,
die Bibliothek ist verlassen,
die Kneipe voll,
sie schauen sich in die Augen und ich sehe nichts,
plötzlich der älteste von ihnen steht auf,
sammelt seine verschlafenen Lider,
wie eine Flocke in der schwebender Straußflügel
der durch die Oase voller müder Augen läuft,
alle haben sich über seine Abreise
wie bei der Geburt eines Kindes gefreut,
seinetwegen erschien niemand mehr auf dem Markt,
bis zu ihm alle lasen Gedichte wie Gebete,
er lehrte alle wie man schreiben soll
und jetzt öffnet niemand mehr die Bücher
versiegelt in Regalen wie Gräber auf einem Friedhof
durch den kein Nachkomme geht,
weil die alle hinaus in die Welt gingen
oder liegen unter der Erde wie fruchtlose Samen,
wie gut ist es,
wie schön es ist,
die Welt beginnt gerade erst zu sein,
aus des Alten Silbe herausgerissenen Vers
aus dem Himmel verjagt
wie die Säufer, die nicht mehr bezahlen kann,
aus der Kneipe,
sie haben nicht mehr wo sie gehen können,
nirgendwo wartet jemand auf sie,
und in ihren Köpfen röcheln eine Menge kleine Wesen
die sich in die Augenhöhe schauen
und sehen nichts,
nichts
jedoch es scheint alles zu sein,
was für eine tiefe Nacht,
was für ein heller Tag durch den man nur die kommende Nacht sieht
man hört eine Stimme unter den 22 Millionen Dichtern,
blind in der tauben Welt,
wir wurden aus dem Fleisch der Leser geboren,
während wir nicht in der Lage sind, einem Leser Leben zu schenken,
der uns die toten Bücherblätter
in den Ohren blätternd knistern sollen
die nur er wiederbeleben kann,
und sie suchten nach ihm wie Herodes das Baby,
in einer Krippe geboren, suchte
aus Wein soll Wasser machen,
- aber Blut wird nicht Wasser,
die Kneipen sind keine Bibliotheken,
die Bibliotheken sind keine Kneipen -,
in die Wüste zu verjagen ihn wo
die Dichter ihre Gedichte erdolchen aus denen
kein Blut fließt, sondern nur
schmerzlich süß riechender Alkohol
endlos, bis zu dem Tag, an dem alle den
Dichter suchen werden
um ihn mit ein Glass voller Vergessenheit zu ehren.
Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
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