DER ABENDSTERN
Es war einmal, erzählt die Sage,
Entfernt bin ich von dir und einsam Feuer brennt,
Denk’ an mein Leben rückwärts, die Traurigkeit, die rennt,
Wohl achtzig Jahre muss ich auf Erden gelebt haben
Und alt sein wie der Winter, du bist wohl längst begraben.
Ich hab nur noch ein Streben:
In ferner Abendstille
Lasst mich in Frieden sterben
An Ufers Meeresfülle;
Aus der Nacht ew’gen Vergessens,
Die, in der sich alles bricht,
Unser Leben heiß Liebkosens,
Und des Abends Dämmerlicht,
Viele Blumen gibt’s, doch wenig,
Die der Menschheit Früchte tragen,
Welk verflattern ja die meisten,
Die ans Tor des Lebens schlagen.
Mit der Liebe Qual zu heilen
Meinen Seelenschmerz, den argen,
Rief ich schlafend Indiens Kama –
Kamadeva, Gottheitsknaben.
Zum Stern, der gerade aufgetaucht,
Der Weg ist lang und seicht,
Es viele tausend Jahre braucht
Bis uns sein Licht erreicht.
Wenn die Erinnerung zurück
Mich ruft von alten Zeiten,
Auf dem bekannten Weg ein Stück
Werd’ ich wieder mal schreiten.
An einsamen Pappeln ging ich
Doch viel zu oft vorbei;
Die Nachbarn alle kannten mich -
Nur dir war’s einerlei.
Ab heut werd’ ich dich nicht mehr sehn,
Heut, wo wir beide scheiden!
Dir aus dem Weg werd’ ich nun gehn,
Dich meiden.